Faktenchecks zu Windkraftanlagen

Die in Waibstadt und Daisbach verteilten Flyer aus unbekannter Quelle zu Windkraftanlagen enthalten verschiedene Aussagen, die einer sachlichen und kritischen Überprüfung bedürfen. Um Ihnen eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen, werden die darin aufgestellten Behauptungen im Folgenden anhand wissenschaftlicher Studien, verlässlicher Quellen und aktueller Erkenntnisse überprüft und gegebenenfalls widerlegt. Unser Ziel ist es, mögliche Fehlinformationen aufzudecken, Zusammenhänge verständlich darzustellen und eine differenzierte, faktenbasierte Auseinandersetzung mit der Windenergie zu fördern.

Faktenchek 2 - Dunkelflaute

Dunkelflaute: Wie sichern wir die Stromversorgung, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint?

Mit dem wachsenden Anteil von Wind- und Solarenergie im deutschen Strommix steigt auch die Abhängigkeit vom Wetter, was die Gefahr einer sogenannten „Dunkelflaute“ mit sich bringt (Czock et al. 2023, Science Media Center 2024). Eine Dunkelflaute ist eine Phase, in der kaum Wind- und Solarstrom erzeugt wird. Solche Phasen werden oft darüber definiert, welcher Anteil der Stromnachfrage durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann. Ist dieser Anteil sehr gering, spricht man von einer Dunkelflaute (Science Media Center 2021).
Dunkelflauten stellen eine Herausforderung für die Energieversorgung dar. Doch es gibt verschiedene Wege, wie die Versorgungssicherheit auch in solchen Zeiten gewährleistet werden kann. Diese Möglichkeiten müssen miteinander kombiniert werden, um ein stabiles Energiesystem zu schaffen:

Ausbau von Batteriespeichern, Pumpspeichern oder Wasserreservoirs: Stromüberschüsse aus sonnigen oder windreichen Zeiten können gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden.
Ausbau des länderübergreifenden Stromnetzes: Ein besser vernetztes Stromsystem innerhalb Europas ermöglicht den Stromimport aus Nachbarländern, in denen andere Wetterbedingungen herrschen. So können Angebot und Nachfrage länderübergreifend ausgeglichen werden (Czock et al. 2023, Frank et al. 2021).
Flexibilisierung der Stromnutzung: Rund 20 % des Stromverbrauchs können flexibel gestaltet werden. Das bedeutet, dass bestimmte Stromnutzungen zeitlich verschoben werden – etwa dann, wenn besonders viel Strom aus Wind- oder Solarenergie verfügbar ist (Aurora Energy Research 2021).
Steigerung der Energieeffizienz: Ein geringerer Energiebedarf entlastet das System. Das kann etwa durch bessere Dämmung von Gebäuden erreicht werden (Czock et al. 2023, S. 37).
Nutzung von zusätzlichen steuerbaren Kraftwerken: In Zeiten, in denen Wind- und Solarenergie nicht ausreichen, können flexibel steuerbare Kraftwerke einspringen. Aktuell sind das oft Gaskraftwerke – künftig sollen diese auf Wasserstoff umgestellt werden (Aurora Energy Research 2021, Czock et al. 2023, Science Media Center 2024).

Wichtig ist, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um sowohl die Versorgungssicherheit zu garantieren als auch die Energieversorgung zu dekarbonisieren – also klimaneutral zu machen. Das bringt zusätzliche Kosten mit sich, die über die reinen Stromgestehungskosten von Wind und Sonne hinausgehen und von den Stromverbrauchern getragen werden müssen (Grimm et al. 2024). Trotzdem ist davon auszugehen, dass ein klimaneutrales Stromsystem insgesamt günstiger ist als eine Versorgung mit fossilen Energien – sowohl finanziell als auch für Umwelt und Gesellschaft (Grimm et al. 2024, ISE 2024).
Auszug aus KEA BW Faktencheck (2026): Klartext zur Windenergie, S. 31 f.

Faktenchek 1 - Abrieb von Rotorblättern

Abrieb an Rotorblättern: Gelangt dadurch Mikroplastik in die Umwelt?

Windenergie gilt als grüne Zukunftstechnologie - doch nicht alle sehen das so. Im Netz kursieren alarmierende Zahlen zum angeblichen Mikroplastik-Abrieb. Was steckt hinter der Kritik? …
Bewertung
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Abrieb von Windkraftanlagen um ein Vielfaches geringer ist. Über die gesamte Lebensdauer einer Anlage entsteht ein Bruchteil einer Tonne Mikroplastik.
Fakten
An Windkraftanlagen kann es zu Erosionen an den Rotorblättern [Aktualisierter Faktencheck des BWE, 2026] kommen, vor allem an deren Vorderkanten. Diese Flächen sind Regen, Hagel und Schnee ausgesetzt. Bei Geschwindigkeiten an den Rotorspitzen von bis zu 360 Kilometern pro Stunde wirken Tropfen wie kleine Schmirgelpartikel.
Dadurch wird Material abgetragen - es entsteht sogenannter Mikroplastik-Abrieb. Auch wenn diese Partikelemissionen nur sehr gering sind, können sie langfristig die Effizienz der Anlagen beeinträchtigen.
Studien zur Erosion
Eine Studie der Technischen Universität Dänemark aus dem Jahr 2024 geht von einem durchschnittlichen jährlichen Materialverlust von 30 bis 540 Gramm pro Rotorblatt aus.
Onshore-Anlagen: 8-50 g pro Blatt und JahrOffshore-Anlagen: 80-1000 g pro Blatt und Jahr
Bei den höchsten Werten ergibt das über eine Laufzeit von 30 Jahren rund 90 kg Abrieb pro Windrad - umgerechnet 0,09 Tonnen.
Eine niederländische Studie schätzt die Emissionen moderner Offshore-Anlagen auf etwa 240 g Mikroplastik pro Anlage und Jahr. Das entspricht 7,2 kg (0,0072 Tonnen) über 30 Jahre, pro Blatt entsprechend weniger.
Auch der Bundesverband Windenergie (BWE) nimmt zu diesem Thema Stellung. In einem Positionspapier vom August 2024 [Aktualisierte Version 2026] gibt er einen jährlichen Materialverlust von etwa 2,74 kg pro Windenergieanlage an - ein Mittelwert aus den Schätzungen der beiden Unternehmen Key Wind Energy (3,38 kg) und Deutsche Windtechnik (2,1 kg). Dieser Mittelwert ergibt bei einer Laufzeit von 30 Jahren gut 82,2 kg (0,082 Tonnen).
Eine norwegische Untersuchung aus dem Jahr 2021 nannte bis zu 62,5 kg pro Jahr, wurde aber stark kritisiert: Sie verwendete falsche Materialien und war nicht peer-reviewed. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) veröffentlichte bereits einen Faktencheck darüber.
Auszug aus dpa factchecking (2025): Übertriebene Zahlen zum Mikroplastikabrieb bei Windrädern
 
Laut Bundesverband Windenergie helfen folgende Schutzmaßnahmen gegen die Erosion der Rotorblätter:
Rotorblätter befinden sich fast ständig in Bewegung. Diese Bewegung führt zu starken Spannungen im Material. Darüber hinaus wird die Oberfläche der Blätter von Erosion und wechselnden Umweltbedingungen angegriffen. Um ihre uneingeschränkte Funktion zu gewährleisten, sind daher regelmäßige, fachgerechte Inspektionen und Instandhaltungsarbeiten notwendig. Dabei können verschiedene Maßnahmen zum Einsatz kommen. Schutzlacke (sogenannte Top-Coats) können auch nachträglich auf die Blätter aufgetragen werden, um eventuell bereits entstandene Oberflächenschäden erneut zu versiegeln. Ebenso können von Erosion betroffene Vorderkanten reprofiliert und mit Schutzfolien oder -lacken versiegelt werden. Besonders schwer beschädigte Blätter können auch vollständig ausgetauscht werden. Windenergieanlagen werden regelmäßig sorgfältigen Prüfungen (WKP) unterzogen. Da Erosionsschäden zu einem hohen jährlichen Ertragsverlust führen würden, liegt es im ureigenen Interesse der betreibenden Unternehmen, diese Schäden an den Blättern möglichst frühzeitig und sorgfältig auszubessern. Bei sachgemäßer und sorgfältiger Wartung können die Anlagen auch über ihre reguläre Entwurfslebensdauer hinaus noch gut weiterbetrieben werden und saubere Energie produzieren.
Auszug aus Bundesverband Windenergie (2026): Faktencheck: Erosion an Rotorblättern, S. 4
 

(Erstellt am 23. Oktober 2026)